{"id":365,"date":"2014-11-04T15:10:53","date_gmt":"2014-11-04T13:10:53","guid":{"rendered":"http:\/\/kpsg-cadolzburg.de\/WP\/?page_id=365"},"modified":"2017-07-11T20:37:45","modified_gmt":"2017-07-11T18:37:45","slug":"365-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/kpsg-cadolzburg.de\/?page_id=365","title":{"rendered":"Gemeingef\u00e4hrliche Schie\u00dferei"},"content":{"rendered":"<p>Ein weiterer Artikel in der Tageszeitung von 1909:<\/p>\n<p>Gemeingef\u00e4hrliche Schie\u00dferei.<\/p>\n<p>Am Sonntag und Montag hielt die hiesige Sch\u00fctzengesellschaft ein Preisschie\u00dfen ab. Dabei ging, wie dies schon \u00f6fter der Fall war, eine Kugel durch und hart \u00fcber die K\u00f6pfe der bei der Friedhofserweiterung besch\u00e4ftigten Arbeiter hinweg. Vor Schrecken bleich verlie\u00dfen die Arbeiter eiligst die Arbeitsst\u00e4tte. Es darf wohl als Gl\u00fcck bezeichnet werden, dass sich nicht einer von ihnen in seinem Blute w\u00e4lzte. Sehr notwenig haben es nun nat\u00fcrlich die Beschwichtigungskommiss\u00e4re, die unter allen m\u00f6glichen Ausreden die Sache als unm\u00f6glich hinstellen m\u00f6chten; sogar davor schreckt man nicht zur\u00fcck, den Leuten den beleidigenden Vorwurf zu machen, sie h\u00e4tten nur Grund zum Blaumachen gesucht. Wo Leute mitschie\u00dfen, die sich auch als angehende Nimrode versuchen, und denen von ihren Freunden f\u00fcr ein auf den ersten Schuss getroffenes Rebhuhn 45 Mark garantiert werden, ist alles m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen kann es als Gunst des Schicksals bezeichnet werden, dass die der Gefahr zun\u00e4chst gestandenen beiden Arbeiter Unorganisierte sind, denn gewisse Leute w\u00fcrden sich andernfalls nicht genieren, zu behaupten, die ganze Sache sei von den Roten bestellt und inszeniert. Die Beiden sind bereit, die Angelegenheit unter Eid zu best\u00e4tigen. Ganz abgesehen davon ist dies nicht der erste Schuss, der sein Ziel verfehlt hat. Im Laufe des Sommers sind Geschosse bis heraus in den Hacker\u2019schen Garten gedrungen.<\/p>\n<p>Auch andere Angrenzer k\u00f6nnen von Durchg\u00e4ngern berichten. Sie haben also den Friedhof in seiner ganzen Ausdehnung und die stets belebte obere Bahnhofstra\u00dfe \u00fcberflogen, und da soll nicht von Gemeingef\u00e4hrlichkeit die Rede sein?<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte dies endlich die Distriktspolizeibeh\u00f6rde veranlassen, hier energisch einzuschreiten und einen schon l\u00e4ngst ungeeigneten, gemeingef\u00e4hrlichen Schie\u00dfplatz, parallel mit der Distriktsstra\u00dfe laufend, am Kopfe den Friedhof und die Bahnhofstra\u00dfe streichend, au\u00dfer Betrieb zu stellen, ehe ein Ungl\u00fcck passiert.<\/p>\n<p>Die Sache hat aber auch noch eine andere Seite: Wer entsch\u00e4digt den Arbeitern ihren Lohnausfall? Soviel wir wissen, verweigert dies der Arbeitgeber. Nach unserer Auffassung aber hat er, der Gewerbeordnung zufolge, die Pflicht dazu, denn in erster Linie obliegt es ihm, f\u00fcr Arbeitsbedingungen zu sorgen, die eine Gefahr f\u00fcr Leben und Gesundheit seiner Arbeiter ausschie\u00dfen. Dies war hier nicht der Fall; die Arbeiter handelten indessen v\u00f6llig korrekt, wenn sie ohne weiteres diese gemeingef\u00e4hrliche Arbeitsstelle verlie\u00dfen. Der Arbeiter kann sich nur an den Unternehmer halten, wenn auch, wie in diesem Falle, er der direkt Schuldige nicht ist; er kann dann eben seinerseits sich an den die Arbeitsunm\u00f6glichkeit Herbeif\u00fchrenden \u2013 in diesem Falle die Sch\u00fctzengesellschaft \u2013 wegen Schadloshaltung wenden. Die Arbeiter aber d\u00fcrfen unter keinen Umst\u00e4nden an einem sie unverschuldeterweise betroffenen Lohnausfall zu leiden haben.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kpsg-cadolzburg.de\/WP\/?page_id=90\">zur\u00fcck zur Chronik<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein weiterer Artikel in der Tageszeitung von 1909: Gemeingef\u00e4hrliche Schie\u00dferei. Am Sonntag und Montag hielt die hiesige Sch\u00fctzengesellschaft ein Preisschie\u00dfen ab. Dabei ging, wie dies schon \u00f6fter der Fall war, eine Kugel durch und hart \u00fcber die K\u00f6pfe der bei der Friedhofserweiterung besch\u00e4ftigten Arbeiter hinweg. 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